Entschuldigung, ist der Stein noch frei?

„Das macht dann 3, 80 Euro!“ Ungläubig schaue ich die Kellnerin an. Wir hatten schon keinen guten Start, sie und ich. Um überhaupt bestellen zu können, hatte ich eine gefühlte halbe Stunde lang verzweifelt – und durstig – versucht, Blickkontakt in einem halb leeren Café herzustellen. Dass sie nun fast 4 Euro von mir bekommen sollte, weil ich eine Tasse heißes Wasser mit 4 Ingwerscheiben getrunken hatte, überforderte mich ein wenig.

Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass ich nach diesem Erlebnis aufgehört habe, Kölns Cafés zu besuchen. Im Gegenteil – davon gibt es eine Menge sehr schöne mit sehr leckerem Kaffee, freundlichen Bedienungen und humanen Preisen. Aber eines der vielen Dinge, die ich an Köln so mag, ist die „Büdchenkultur“. Jedes Veedel hat unzählige Kioske, viele von ihnen strategisch gut gelegen in der Nähe eines kleinen Parks oder Plätzchens und so verwandeln sich viele offene Flächen in Köln bei schönem Wetter in „Outdoor-Cafés“ – oder wie immer man das Phänomen nennen möchte. Auf jeden Fall finden sich an Feierabend und am Wochenende viele Menschen an diesen Orten ein, sitzen auf dem Boden, Bürgersteigen, Pflanzenkübeln oder Treppenabsätzen, holen sich ein Getränk oder einen Snack vom Kiosk, unterhalten sich, schauen dem Treiben zu und lassen es sich gut gehen. Wie man das halt so macht!

Wer also für die LBC extra anreist und sich ein authentisches Bild des urbanen Kölner Müßiggangs machen möchte, dem seien hier einige Hotspots empfohlen:

 

Der Brüsseler Platz (Innenstadt)

Wahrscheinlich der bekannteste Treffpunkt für ein Feierabendgetränk in der Innenstadt.

Was vor einigen Jahren noch einigermaßen alternativ daherkam, verwandelt sich aber immer mehr in ein durchdesigntes Outdoor-Erlebnis inkl. eines mobilen Cocktail-Wagens mit Außenbestuhlung. Früher war mehr Rock’n’Roll – aber hat natürlich einen eigenen Charme und jeder Jeck ist anders.

 

Stadtgarten (Innenstadt)

Wer dem Rock’n’Roll nachtrauert, trifft sich (einschlägigen Aussagen meines Bekanntenkreises nach zumindest) inzwischen „auf dem Mäuerchen vor’m Stadtgarten“.

Hm. Nun ja, warum nicht? Selbstverständlich bietet sich jetzt ein „Auf der Mauer, auf der Lauer“-Witz an und hieß nicht auch ein Band-Mitglied von „Hole“ bzw. den „Smashing Pumpkins“ so mit Nachnamen? Hier schließt sich also der Kreis zum Rock’n’Roll…

Auch nicht zu verachten sind übrigens der schöne Stadtgarten-Park und Biergarten, die quasi „jenseits der Mauer“ (bitte Game-of-Thrones-Witz denken!) liegen. Hier wartet auch noch sattes Grün!

 

Agnesviertel (Nordstadt)

Etwas gemütlicher, aber nicht weniger kultig, geht es auf dem Neusser Platz im Agnesviertel zu. Hier dürfte der über das Veedel hinaus bekannte Kiosk „Pico Coffee“ ein gutes Geschäft machen – zumindest gibt es bei richtig schönem Wetter fast keinen freien Quadratmeter mehr auf dem Platz. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht unbedingt in die Kindermalkreide-Kunstwerke auf dem Asphalt setzt… Zur „Not“ kann man aber auch ausweichen in eines der umliegenden Restaurants oder Cafés.

Selbstverständlich gibt es noch unzählige weitere öffentliche Plätze und Büdchen, die man hätte erwähnen können. Falls ihr beim Besuch der Stadt auf den Geschmack kommt und das nächste Mal eine Büdchen-Wallfahrt machen möchtet, dann sei euch auch dieses Nachschlagewerk aus dem Dumont-Kalenderverlag ans Herz gelegt!

Wir hoffen auf jeden Fall, euch mit diesem Artikel eine weitere sympathische Seite unserer schönen Stadt nahegelegt zu haben und freuen uns auch nach der LBC über Feedback, welcher Platz euer Herz erobert hat – gerne auch mit Beweisfoto.

Christina Knorr von Egmont

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